Montag, 3. September 2012

Band Of The Week: Iron Butterfly



In meiner Heimatstadt Limburg gibt es nicht viel, was als Großveranstaltung gelten kann. Wir haben kein besonders außergewöhnliches Volksfest, keinen bahnbrechenden Karneval und auch kein großes Musik-Festival. Aber wir haben einmal jährlich einen der größten Flohmärkte Hessens zu bieten, der die ganze Innenstadt in Beschlag nimmt und zisch Tausend Menschen aus allen Teilen Deutschlands anlockt. Aber warum erzähle ich das eigentlich an dieser Stelle? Nun, auch für Musikliebhaber hat so ein Trödelhandel seine Vorzüge. Es gibt reihenweise alte CDs, LPs und vereinzelt auch MCs, die darauf warten einen neuen Besitzer zu finden. 

Zugegeben das meiste ist Schrott beziehungsweise nichts für Metaller. Sehr häufig versuchen Leute verzweifelt ihre eigene Musiksammlung von Peinlichkeiten wie ZLATKO, TIC TAC TOE oder SCOOTER zu befreien beziehungsweise lösen den Hausrat der Oma auf, die noch immer Tonträger von ENGELBERT, HEINO und JAMES LAST gehortet hatte.
Das andere Extrem sind Professionelle Händler, die wissen, was ihre Ware wert ist und gut sortierte Regale und Boxen auffahren in denen nach Interpret und Genre geordnete Tonträger stehen, die danach bepreist werden, wie ihr Sammlerwert in entsprechenden Katalogen beziffert ist.
In der Mitte davon liegt irgendwo die Art von Verkäufer, die gar nicht weiß, was sie da verkauft beziehungsweise der es egal ist.
So kann man manchmal echte Schnäppchen machen. Meine diesjährige Ausbeute sind sechs Platten, die mich Insgesamt weniger als 20 Euro gekostet haben. Neben LPs von DEEP PURPLE, NAZARETH, MANOWAR und FOREIGNER, habe ich auch eine passabel erhaltene Scheibe aus dem Jahre '68 ergattert, die auf den Namen "In-A-Gadda-Da-Vida" hört und von IRON BUTTERFLY stammt. Dieser legendäre Acid-Rock-Diamant hat mich gerade mal einen Euro (!) gekostet.
Mehr als nur einen Grund die vier Hippies zur Band der Woche zu machen. Denn auch wenn hier viel Flower-Power im Spiel ist, strotzt der Sound der Amerikaner auch nur so vor Eiern. Gitarre und Hammondorgel werden hier zu einem düsteren Paar, das auch nach 45 Jahren sehr harsch klingt, was besonders im überlangen Titeltrack (über 17 Minuten!) sehr schön herauskommt. Ein ausgiebiges und famoses Drumsolo, (stellenweise) brutalste Distortion und ein eingängiger Chorus sind die Markenzeichen dieses Meilensteins des Rock'n'Roll. Auf der anderen Seite der Platte (die eigentlich die als A-Seite gesehen wird) sind Songs zu finden, die leichter zu verdauen sind und auch viel an Bands wie THE ANIMALS oder THE DOORS erinnern. 'Flowers And Beads' könnte man sogar eher bei den BEATLES verordnen. 'My Mirage' und 'Termination' sind da schon besser anzuhören gerade weil sie sehr atmosphärisch und wunderbar psychedelisch sind. In eine ähnliche aber doch rockigere Ecke geht 'Are You Happy', das mit schweren und verzerrten Gitarren damals unheimlich hart gewesen sein muss. Das Solo ist dementsprechend auch nicht von schlechten Eltern.
Allerdings überstrahlt der Titeltrack alles und die Band hatte in Folge Probleme an diesen Megaerfolg anzuknüpfen. Aber wie will man an so ein Album anknüpfen? etwa 50 Wochen in den Top Ten der Charts zu sein, ist ja nichts was man eben mal wiederholt. Dass die Hippie-Welle nach ihrem Zenit im Jahre 1969 wieder abflaut ist war auch nicht gerade hilfreich.
Also was tun? Ein Album schreiben, was zumindest Kritiker überzeugt?
Nun, so gesehen haben das IRON BUTTERFLY mit "Metamorphosis" getan. Die Platte ist voller Blues, Soul, Rock'n'Roll, Proto-Prog und erneut mit einem überlangen Endstück ausgestattet, dass weit jenseits den zehn Minutenmarke liegt. Aber natürlich kann es sich nicht mit 'In-A-Gadda-Da-Vida' messen. Auch wenn man die beiden Stücke eigentlich so gar nicht vergleichen kann. Insgesamt ist das ganze Album ganz anders und lässt die Schwere vermissen, die den eisernen Schmetterling noch auf dem Zweitling ausgemacht hat. Aber das ist wohl dem damaligen Zeitgeist zu zuschreiben.
Trotzdem ist "In-A-Gadda-Da-Vida" essentiell und ist eine schicke Sache, wenn man Vinylsammler ist.

[Adrian]

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