Sonntag, 28. September 2014

CD-Review: Ius Talionis "Eleutheromania"

Es ist schon verblüffend, was für eine Mühe sich manche Bands mit ihren Promo-Paketen machen! So haben die Aachener von IUS TALIONIS ihrem Demo-Album "Eleutheromania" auch gleich einen Zettel dazu gepackt, auf dem jeder einzelner Song in einem längeren Abschnitt diskutiert wird.


So wird der 14-Minüter 'Irrlicht' als Werk mit mehreren Deutungsebenen beschrieben, der die "Ambivalenz zwischen Licht und Dunkelheit" thematisiert. Leider ist der Track aber vor allem eines: relativ langweilig. Es dauert hier geschlagene drei Minuten bis überhaupt was passiert und auch danach bleibt es in diesem Titel etwas fahrig. Klar, wenn man es gut meint kann man es atmosphärisch bezeichnen, aber echte Begeisterung will sich nicht bemerkbar machen. Der zweite Titel 'Anklitz des Kriegers' ist laut der Band selbst "kein typischer kriegsverherrlichender Black Metal Song". Das ist mir persönlich eigentlich egal, denn es handelt sich hierbei für mich erst einmal nur um den besten Song dieser Platte. Herrlich treibend schreitet der Beat voran und ein aggressives Riff jagt das andere, während fieses Gekeife das Bild bestimmt. So muss das sein! Traditioneller Black Metal mit einem herrlich rustikalen Sound.

Ebenfalls ganz gut geworden ist der folgende Titel 'Im Angesicht des Todes'. Hier geht zwar Großteils nicht ganz so hart zur Sache und es gibt auch stärkere Depressive-Einflüsse, aber insgesamt bildet dieser Titel mit seinem Vorgänger zusammen den starken Mittelteil dieser Platte.
Ein etwas irritierendes Element dieser Platte ist allerdings das textliche Gerüst. Ich kann ja durchaus verstehen wenn man nicht immer 'Hail Satan' oder 'Death to mankind' singen will, aber eine existenzielle Auseinandersetzung mit dem menschlichen Dasein auf philosophischer Ebene mit Fragen nach Theodizee und allgemeiner Sinnfindung, sind dann doch vielleicht etwas zu sperrig für das vorliegende Medium. Denn die halbverständlichen deutschen Lyrics drängen sich teilweise zu stark in den Vordergrund. Immerhin geht es (für mich) beim extremen Metal stärker um die Wirkung der Musik als um literarische Diskurse.
So ist dann der abschließende Titeltrack, der wie der Opener ebenfalls über zehn Minuten lang ist, lyrisch sicherlich sehr interessant und regt einige Studenten der Sozialwissenschaften zu stundenlangen Diskussionen an, aber musikalisch fehlt es an Abwechslung und spannenden Ideen, die Laufzeit mit Leben zu füllen. Die verwendeten Riffs und die Strukturen sind hier einfach zu ausgelutscht, um auf Dauer den Hörer bei Laune zu halten.


Deswegen hinterlässt die Scheibe auch insgesamt einen etwas faden Beigeschmack. Die Band hat sich hier zwar wirklich angestrengt ein Album mit Anspruch hinzuzaubern, aber konzentriert sich zu sehr auf das Schreiben dramatischer Lyrics, die sich nicht so recht sinnvoll mit dem Rest verbinden wollen. Dennoch sind zwei von vier Songs wirklich sehr gelungen, allerdings sind ist, von der Spielzeit her, das lediglich ein Drittel des Albums und das ist zu wenig für eine hohe Wertung. IUS TALIONIS hat dennoch Potenzial und auch wenn mit "Eleutheromania" der ganz große Wurf ausbleibt, könnte man in Zukunft mit kürzeren und durchschlagskräftigeren Songs tatsächlich eine Menge Staub aufwirbeln.
Die Demo kann seit 6. September bei der Kapelle selbst erworben werden.


5,5 von 10 Punkten 


[Adrian]

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