Sonntag, 11. Oktober 2015

Live-Review: Path Of Death IV

In einer Zeit in der immer mehr Konzerte und Festivals mit Zuschauermangel zu kämpfen haben oder gleich ganz das Handtuch schmeißen, hat das Path Of Death noch Wachstumpotenziale. In diesem Jahr kommen deutlich mehr als 300 Metalheads in den M8 Club, um sich bei sechs Underground-Bands dem Death-Metal-Overkill hinzugeben.
Reckless Mansluaghter
(Foto: Adrian)
Um kurz nach halb sechs steigt der erste Act in den Ring und zieht (anders als bei anderen Konzerten üblich) direkt eine große Menge an Zuschauern an. RECKLESS MANSLAUGHTER aus Herne ist eine Band aus dem Dunstkreis der NRW Death Metal Crew und bringt dies mit entsprechenden rot-weiß-grünen Flaggen auf der Bühne zum Ausdruck. Frontmann Leimy ist nicht nur ein großartiger Growler, sondern man kann ihn auch durch seine Tätigkeit als Schreiberling beim Deaf Forever her kennen. Man hat es hier also mit wahren Todesblei-Profis zu tun und musikalisch gibt es hier tatsächlich nichts zu meckern. Mit Liedern wie 'Blinded By Rage', 'Rotten Memories' oder dem neuen Song 'Close The Coffin' von der gemeinsamen Split mit ARROGANZ, LIFELESS und OBSCURE INFINITY sorgen die Ruhrpottler dafür, dass sich die ersten Zuschauer zum schütteln ihrer Birnen hinreißen lassen. Insgesamt ist der Sound zwar sehr laut, aber gleichzeitig auch sehr ausgewogen und gut ausdifferenziert. Ein Pluspunkt von dem heute so ziemlich jede Band profitieren kann. 
Im Anschluss kommt ERASERHEAD aus Limburg auf die Bühne und steigert die
Eraserhead (Foto: Adrian)
Zuschauerzahl im Konzertsaal weiter. Viele wollen sich den letzten Gig der Kalkwerker zusammen mit ihren scheidenden Mitgliedern (Sänger Marco und Drummer Matthias werden die Band verlassen) nicht entgehen lassen und bereiten mit viel Alarm vor der Bühne den beiden einen würdigen Abschied. Das gefällt vor allem Marco, der sich sehr bewegungsfreudig gibt und leidenschaftlich mit dem Publikum interagiert. Auch der Rest der Band lässt sich nicht lumpen und erhöht die Dynamik. Wie es sich für einen ordentlichen Ausstand gehört, bedankt sich Marco mehrfach bei Bands, Fans, Veranstaltern und Crew und man merkt deutlich, dass die Truppe heute noch eine Schippe im Vergleich zu sonst drauf gelegt hat. Wie immer machen die Songs der (bisher noch einzigen) Demo mächtig Spaß und werden mit dem obligatorischen CANNIBAL-CORPSE-Cover 'Stripped, Raped and Strangled' garniert. Daneben gibt es aber inzwischen auch neue Tracks wie 'Famous Hypocrites' und 'Fraud, Recreance and Betrayal' zu hören, die schon jetzt schon richtig Bock auf einen neuen Release der Hessen machen, der bereits 2016 folgen soll. Ich persönlich freue mich schon jetzt darauf.
Wound (Foto: Adrian)
Die dritte Band ist für mich ein persönlicher Höhepunkt. Den Wiesbadener Crust-Deathern von WOUND folge ich schon seit den Anfängen ihrer Karriere und obwohl sie mich von Anfang an umgehauen haben, sind sie inzwischen noch um einiges gewachsen. Los geht es heute mit 'Echos' einem brachialen Wellenbrecher, der perfekt auf das treibende Feuerwerk einstimmt, was folgen soll. Denn mit so starken Nummern vom ersten Album wie 'The Price Of Tyranny' oder 'Forever Denial' zieht man die geschmackssichere Crowd schnell auf seine Seite. Das Bewegungsniveau in den vorderen Reihen steigt und man bekommt auch bei den neuen Tracks keine Verschnaufpause gegönnt. 'Kingdom Of Deceit' oder 'The Plague' fügen sich perfekt in das Gesamtbild ein und machen deutlich, dass man sich keine Sorgen machen muss, was die neue Scheibe angeht (die Anfang 2016 kommen soll). WOUND sind und bleiben eine Macht, die scheinbar mühelos für eine Stimmung sorgt, die ihres gleichen sucht. Bei so viel Spielfreude ist es gar kein Wunder, dass die Menge nach mehr verlangt und auch mehr bekommt. 'Codex Arcanum' bildet den heftigen Abschluss eines Spitzen-Gigs.
Halbzeit! Drei Bands vorbei, drei Bands kommen noch. Wäre das Path Of Death
Obscure Infinity (Foto:Adrian)
ein Theaterstück würden wir uns nun dem Höhepunkt nähren und mit OBSCURE INFINITY aus dem Westerwald kommt eine Gruppe an die Reihe, die diesem Slot auch tatsächlich gerecht werden würde. Die Burschen aus Rheinland-Pfalz sind nun schon fast neun Jahre gemeinsam unterwegs und haben seitdem eine beeindruckende Karriere im Underground erlebt. Von Album zu Album hat man sich gesteigert und erschuf mit "Perpetual Descending Into Nothingness" Anfang dieses Jahres ein absolutes Meisterwerk. Können die Fünf die Magie der Platte aber auch auf die Bühne transportieren? Die Antwort darauf ist ein klares Ja! Dafür sorgt die Kombination aus Stefans göttlicher Lead-Gitarre, die vor allem in den Soli-Passagen einen virtuosen Level erreicht bei dem nicht viele Gitarristen in Deutschland mithalten können, und Fronter Jules, der nicht nur ein starker Vokalist sondern auch ein derber Performer ist, der ein so lebhaftes Stage-Acting an den Tag legt, dass man seinen Blick kaum von der Bühne abwenden will, um nicht etwas zu verpassen. Die Rhythmusfraktion liefert derweil das feste Fundament, auf dem der dichte Sound der Truppe fußt und den Spannungslevel sehr stramm hält. Auf der Setlist hat das aktuelle Album einen dicken Eindruck hinterlassen und präsentiert gleich mit vier Songs. Erwähnenswert dabei ist vor allem 'A Forlon Wanderer'. Diese angeschwärzte Hymne ist nicht nur, einer der besten Songs, den OBSCURE INFINITY je geschrieben hat, sondern hier gibt Jules sein Mikro an Andi von CHAOS INVOCATION weiter, der auf der aktuellen Scheibe die entsprechenden Gast-Vocals beigesteuert hat und auch live die Menge begeistert.  Danach kommt leider nur noch das abschließende 'Maniac Destroyer'. Auf die geforderte Zugabe muss aus Zeitgründen verzichtet werden. Dennoch sind die Westerwälder ein echter Höhepunkt des Abends!
Massive Assault (Foto: Adrian)
Nach vier deutschen Bands kommen wir nun zum  internationalen Teil des Abends. MASSIVE ASSAULT kommt aus den Niederlanden und wurde mir durch ihr Album "Death Strike", das 2012 bei F.D.A. Rekotz erschien, erstmals bekannt. Ich war damals schwer begeistert von dem Dreher und wollte sie auch schon damals auf einem Konzert in Mainz (allerdings in einer anderen Location) live sehen, was die Hoogeveener aber leider kurzfristig absagen mussten. Dort habe ich dann allerdings erstmals Bekanntschaft mit WOUND gemacht. Das soll allerdings nur am Rand bemerkt werden. 2015 laufen die Herren aus Drenthe vollzählig in Mainz auf und die Saitenfraktion präsentiert ihre nackten Oberkörper. Bierbäuchig und tätowiert wirken die Männer, die inzwischen auch schon seit fast 15 Jahren im Geschäft sind, wie eine kernige Streetcore-Kapelle und so ganz abwegig ist der Gedanke gar nicht. Denn der Sound von MASSIVE ASSAULT ist, so sehr er auch im Death Metal verwurzelt ist, angereichert mit jeder Menge Punk und Straßenattitüde. Songs wie 'Operation Anthropoid' oder 'Cycle Of Violence' sind kurz beziehungsweise auf den Punkt gebracht und verbreiten einen leicht rockigen Groove, wie man ihn auch von anderen niederländischen Combos wie CLITEATER oder GOREFEST gewöhnt ist. Insgesamt fällt die Stimmung hier aber ein wenig ab. Auch wenn die Leistung sehr gut gewesen ist, fehlt hier ein wenig der Lokalhelden-Bonus und zu wenige deutsche Death-Metalheads sind mit dem Schaffen der Niederländer vertraut. 
Beim Headliner ist die Hütte allerdings wieder voll. TORTURE KILLER ist ein
Torture Killer (Foto: Adrian)
Name, den die meisten Besucher zumindest schon mal gehört haben oder durch die Beteiligung des Szene-Urgesteins Chris Barnes beim Album "Swarm!" her kennen. Ein besonders lustiges Detail wenn man bedenkt, dass die Herren als SIX-FEET-UNDER-Coverband angefangen haben. Heute überzeugen die Nordeuropäer jedoch vor allem durch ihr eigenes Material. Gerade durch die eingängigen (um nicht zu sagen simplen) Song-Strukturen, schaffen sie es die ersten Reihen zum exzessiven Headbanging zu bringen. Aber bereits etwas weiter hinten beschränkt man sich auf interessiertes Zuschauen und gelegentlichen Applaus. Alte Lieder wie 'Motivated To Kill' gehen dabei besonders gut runter und sorgen auch in den hinteren Reihen für anerkennendes Kopfnicken. Alles in allem ein professioneller Auftritt, der auch mit einer Menge Engagement und Power von den Skandinaviern dargeboten wird. Ein toller Abschluss für einen spektakulären Abend, der aber vor allem durch die Leistung der ersten vier ersten Bands so denkwürdig gemacht worden ist. Die Tendenz zeigt steil nach oben und ich bin gespannt, was uns die Veranstalter 2016 beim Path Of Death bieten werden. 

[Adrian]

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