Donnerstag, 14. Juli 2016

Reingehört: Praying Angel "Bloody Hands Of Our God"

"Betender Engel"? "Die blutigen Hände unseres Gottes"? Im ersten Augenblick könnte man denken, dass die Kieler von PRAYING ANGEL eine christliche Band sind. Allerdings könnte man damit nicht weiter von der Wahrheit entfernt sein. Die Norddeutschen sind nach eigenen Angaben eine Thrash- und Metalcore-Band, mit religionskritischen Texten, die auch auf ihrer ersten EP "Bloody Hands Of Our God" zu finden sind.
Sich selbst beschreiben die Holsteiner als eine klangliche Mischung aus AS I LAY DYING, KREATOR, LAMB OF GOD und SUICIDE SILENCE. Das ist eine
ambitionierte Herangehensweise und ein mutiger Versuch unterschiedliche Genres miteinander zu verbinden. Allerdings funktioniert das längst nicht so flüssig wie sich das Quintett das vorstellt. Die sieben Tracks bilden ein wildes Potpourri aus Metalcore, Groove Metal und Death Metal, das sich strikt weigert homogen zu klingen. Die Vocals von Fronter Timo kratzen unangenehm an den Trommelfellen und auch die wenigen abgelieferten Shouts wirken eher schwach. Desweiteren weiß ich nicht, wo auf dieser Platte der Thrashcore zu finden sein soll (ich denke nämlich bei sowas eher an Kapellen wie D.R.I. oder WEHRMACHT). Es gibt zwar gelegentliche Thrash-Riffs, aber diese dominieren zu keinem Zeitpunkt die Melodieverläufe. Bei aller Kritik gibt es allerdings auch Lichtblicke, die Gitarristen zum Beispiel machen technisch gesehen einen tollen Job, besonders dann wenn sie sich frei entfalten können und ihre Sechssaiter auch mal von der singenden Seite präsentieren dürfen (gerade 'Everything Ends' ist dafür ein gutes Beispiel). Auch das Schlagzeug macht eine gute Figur und gehört mit schneller, präziser Rhythmusarbeit zu den besseren Akteuren.

Insgesamt ist bei PRAYING ANGEL aber nichtsdestotrotz einiges schief gelaufen. Die Vocals sind eine einzige Katastrophe. Das klingt hart, aber neben den versemmelten Shouts, klingen die Grunts zu verkrampft und erinnern an einen Truthahn nach dem Genuss einer Flasche Brennspiritus. Ein Tipp: Anspannen, aber nicht verspannen. Zum anderen ist das Song-Writing etwas angestaubt und bedient sich zu sehr bei Death- und Metalcore-Alben der frühen 2000er. Bevor ich aber "Bloody Hands Of Our God" noch verbal notschlachte, möchte ich auch noch einmal die Einzelleistungen hervorheben. Schlagzeug und Gitarren haben das Zeug mehr zu erreichen, wenn ihnen eine besseres Fundament geboten wird. Trotzdem schafft es dieses Debüt nicht mich zu überzeugen. Viel Erfolg beim nächsten Mal, aber dieser Dreher geht so gar nicht an mich.
Wer sich selbst ein Bild machen will, kann ab heute einerseits bei iTunes, Amazon und Spotify digital zugreifen oder andererseits natürlich auch physisch eine Kopie bei der Band selbst abgreifen.

[Adrian]

Kommentare:

  1. Auch wenn jeder seine Meinung gerne äußern darf, sollte doch mal drauf geachtet werden nicht zu beleidigen! Kritik in allen ehren aber so zu schreiben, ist unterste Kante! Überzeugt euch selbst, denn die Jungs sind allesamt der HAMMER!!!

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    1. Wir sind davon überzeugt, dass es sich bei den Herren von PRAYING ANGEL um tadellose Menschen handelt und es liegt uns fern irgendjemanden direkt beleidigen zu wollen (sollte sich jemand dennoch angegriffen fühlen, tut uns das Leid). Dennoch müssen wir an der Sachkritik festhalten und erkennen selbst auch keine Formulierung innerhalb der Rezension, die sich direkt gegen die Musiker als Personen richtet, sondern sich nur mit dem musikalischen Output befasst.

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    2. Sie nennen es keine Beleidigung? Zitat:"Das klingt hart, aber neben den versemmelten Shouts, klingen die Grunts zu verkrampft und erinnern an einen Truthahn nach dem Genuss einer Flasche Brennspiritus" Dies ist eine Beleidigung und eine absolute Unverschämtheit einen solchen Text zu veröffentlichen. Kritik in allen Ehren aber es sollte dringend an der Wortwahl gearbeitet werden!!!

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    3. Das ist vielleicht eine Beleidigung, wenn man nach dem Verständnis von Menschen wie Erdogan folgt. Unserer Überzeugung nach wäre es eine Beleidigung den Frontmann selbst als Federvieh zu bezeichnen. Wir kritisieren lediglich die Art und Weise wie gesungen wird und haben dafür einen bildhaften Euphemismus genutzt. Wie gesagt, wenn es trotzdem jemandem zu verletzt hat - bitten wir um Entschuldigung. Aber den Ausdruck "absolute Unverschämtheit" hatten wir auch im Kopf als ich diesen Gesang gehört habe.

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  2. Da es einen Re-Upload des Full EP Streams gab, bitte ich drum das neue Video in die Review einzufügen.
    https://youtu.be/hbu0Vt_LTGo

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  3. Das jeder seinen eigenen Stil hat (oder eben nicht wie bei vielen Bands zu sehen ist) und nicht klingen muss/oder will wie jeder andere Sänger wird bei diesem Kindergeburtstag wohl nicht berücksichtigt.. und komisch auch das nur der Fronter bei seinem Namen genannt wird. Das klingt ganz Verdächtig nach offener Rechnung.. Ich glaube da spricht eher der Neid und zum anderen das typische Verhalten von Menschen die ihr richtiges Leben nicht im Griff haben und sich hier entfalten können ein Spiel.

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    1. Da kann ich nur zustimmen!

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    2. Erst einmal, ja, das hier wird hier langsam wirklich zu einem Kindergeburtstag! Es ist lächelich, dass hier manche Menschen meinen, dass negative Reviews aus persönlicher Aversion entstehen würden. Es ist reiner Zufall, dass der Frontmann namentlich erwähnt wird - wir haben keine Kontakte zu ihm. Und neidisch sind wir auch nicht, denn wir wissen so gut wie nichts über ihn. Natürlich steht es jedem frei seine eigene Meinung zu diesem Gesangstil zu haben - in unseren Augen ist der verfolgte Stil halt nicht so toll. Lebt damit! Wenn ihr in den Hammer, ins Rockhard oder Deaf Forever schaut werden dort Band auch nicht immer nett beschrieben oder mit Samthandschuhen angefasst. Das sind halt Rezensionen - subjektive Einzelmeinungen. Wenn sie euch gefallen, schön - wenn nicht, dann ist das euer Problem. Wir werden hier immer ehrlich sagen, was wir über die Musik von Bands denken und wenn das jemandem nicht passt, kann er anderes Zines lesen. Es geht nur um die Musik und niemals um die Musiker als Menschen. Damit sollte jetzt alles gesagt sein.

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