Dienstag, 3. September 2019

Tape gehört: Sadistic Goatmessiah "Witchcraft, Intercourse and Blasphemy"

"SADISTIC GOATMESSIAH worships death, booze and violence exclusively", steht auf der Innenseite eines Demo-Booklets, das letzte Woche den Weg in meinen Briefkasten gefunden hat. es handelt sich dabei um ein Duo aus Nordrhein-Westfalen, das unter dem eingangs-erwähnten Banner rumpeligen Blackened Thrash Metal spielt und es geschafft hat nach sieben Jahren (sofern man Metal-Archives glauben darf) ihre erste Demo "Witchcraft, Intercourse and Blasphemy" zu veröffentlichen. 

Bei diesem Release handelt es sich um eine erweiterte Version der Promo, die bereits im April erschienen ist. Im Frühjahr war das Tape allerdings nur zur Label-Promotion und für Freunde gedacht. Dank dem MC-Label Weed Hunter Records  werden die drei bisherigen Songs nicht nur offiziell veröffentlicht, sondern werden auch um drei weitere Titel ergänzt. Dadurch entsteht ein stimmiges Gesamtbild, das sich auch durch plakative Designentscheidungen und visuelle Ästhetik ausdrückt. Oder anders gesagt - hier passt einfach alles: angefangen bei den Synonymen der beiden Musiker ("Morbid Goatpriest of Lust, Filth and Mayhem" und "Goat Primator") über die schrulligen Old-School-Horror-Samples zwischen den Songs bis hin zum trashigen Artwork, das aussieht als sei es in einer Doppelstunde Chemie auf der Rückseite eines College-Blocks entstanden, fühlt man sich hier in die frühen Tage des extremen Metal-Untergrunds zurückversetzt.

Musikalisch kann man dem aufgebauten Image übrigens auch gerecht werden. Man prügelt sich in passendem LoFi-Demo-Sound durch etwas weniger als 20 Minuten steinzeitliches Gebolze, was irgendwo zwischen Death Metal in seiner ursprünglichsten Form und der tiefschwarzen First-Wave-Ursuppe anzusiedeln ist, die von Tape-Tradern ab Mitte der 1980er Jahre um die Welt geschickt wurde. Morbid Goatpriest of Lust, Filth and Mayhem alias Slut Insulter (wie er zum Beispiel bei den DECIBEL REBELS heißt, wo er ebenfalls mitspielt) sorgt hier in seiner Funktion als Basser, Gitarrist und Sänger mit seinen verwaschen Riffs für mächtig Dampf an der Saitenfront  und nutzt dabei kreischende Shouts zur Vertonung seiner lästerlichen Lyrics, die ein ausgewogenes Verhältnis aus Thrash- und Black-Metal-Elementen vorweisen können (was trivialer klingt als es tatsächlich ist). Das Drumming ist wunderbar aggressiv, gibt die meiste Zeit über Vollgas und orientiert sich an War-Metal-Vorbildern wie BLASPHEMY oder BEHERIT. Dazwischen klingt man vereinzelt sogar (rotz)rockig und zeigt, dass die beiden Herren vom Niederrhein auch ziemlich gute Melodien schreiben können - sofern es denn song-dienlich ist. 

Alles in allem liefern SADISTIC GOATMESSIAH ein wunderbares Debüt ab, das der alten Schule des Black Thrash mehr als nur gerecht wird. "Witchcraft, Intercourse and Blasphemy" ist der perfekte Release für alle, die auf der Suche nach urwüchsigem Extreme Metal sind, der den Geist von Bands wie SARCRÓFAGO oder MERCILESS versprüht. Das Tape für sich genommen ist auch wieder ein hochwertiges Sammlerobjekt geworden, das mit semi-transparentem Rotplastik und goldenem Aufdruck geliefert wird. 
Wer sich eines von insgesamt nur 100 Exemplaren sichern möchte, sollte auf der Seite von Weed Hunter Records Ausschau halten, denn es wird (wahrscheinlich) bereits in den nächsten Tagen zum Verkauf bereit stehen.

[Adrian]

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