Montag, 13. November 2017

Live-Review: The Hellevator, Fenfire und Nuclear Winter im Moshpit Flörsheim

Wie die Zeit rennt! Ziemlich genau vor drei Jahren, war ich das erste Mal in der Flörsheimer Rangierbar gewesen, die Metalheads auch unter dem Namen Moshpit kennt. Damals haben die Jungs von NUCLEAR WINTER dort gespielt und wie es das Schicksal will, sind sie auch heute wieder da. Begleitet werden sie dieses Mal allerdings von THE HELLEVATOR und FENFIRE.
Die letztgenannte Kapelle startet kurz vor 21 Uhr ordentlich durch und eröffnet den Abend im alten Bahnhofsgebäude. Die Darmstädter feiern nächstes
Fenfire (Foto: Adrian)
Jahr ihr Zwanzigjähriges, aber machen einen taufrischen Eindruck. Gut gelaunt betritt Sänger Rodriguez die Bühne und beweist mit seinem IMPIETY-Shirt Mode- sowie Musikverständnis. Die Südhessen von FENFIRE machen allesamt einen sehr sympathischen Eindruck und tauen nach anfänglicher Hüftsteifheit auch immer mehr auf. Abseits von Gitarrist Gun Hunter, der schon von Anfang an die Matte ordentlich bewegt hat, steigern die üblichen Musiker ihren Kalorienverbrauch im weiteren Verlauf merklich und Basser Quorth mischt sich sogar während der Show volksnah mit seinem Bass unter die Zuschauer. Auf dem Menu stehen Songs aus allen Phasen der Bandhistorie - so kommen Tracks wie 'Brainfreeze' (vom aktuellen Mini-Album "Dornen und Sand") genauso zum Einsatz wie Songs vom einzigen Full-Length-Album "Rubikon", das man mit 'Gettysburg' und 'Kingdom Of My Desire' bedenkt. Musikalisch wird ein Mix aus allen möglichen Metal-Genres geboten. Hier ein wenig (Melodic) Black Metal, da ein wenig Death Metal und auch Stoner-Elemente lassen sich in diesem Cocktail entdecken. Insgesamt ergibt das einen ordentlichen Auftakt, auch wenn meine Highlights noch folgen.
Kommen wir nun zu NUCLEAR WINTER - die Jungs nehmen sich selbst nicht zu Ernst. Das merkt man bereits als sie ihre Requisiten auf die Bühne schleppen.
Nuclear Winter (Foto: Adrian)
Vor allem den Pizzakarton des Sängers kann ich zuerst nicht einordnen - bis er ihn aufklappt und dort neben einem Haufen abgenagter Krustenstücke die Setlist der Band zum Vorschein kommt, was so ziemlich das Genialste ist, was ich seit Langem auf einer Bühne bestaunen durfte - zumindest bis die Main-Taunus-Metaller ihren Jägermeister-Am-Stil auspacken, dessen Natur schnell erklärt ist. Denn dazu  wird lediglich eine Flasche Jägermeister an einem Besenstil befestigt und von einem Helfer direkt an offene Mäuler im Publikum und auf der Bühne verteilt. Normal empfinde ich so etwas als eine billige Methode das Publikum auf seine Seite zu ziehen, heute ist das aber anders. Und das nicht nur, weil ich  in der ersten Reihe stehe und dementsprechend viel Schnaps abbekomme. Die hessischen Jungs spielen einfach eine wirklich amtliche Death-Metal-Kante, die Elche zum röhren bringt. Schon beim ersten Song, den man noch mit Gasmasken spielt, kommt der apokalyptische Schweden-Groove gut durch und steigert sich gegen Ende hoch zu einer musikalischen Kernschmelze. Es ist fast überflüssig zu erwähnen, dass die Leute bei Songs wie 'Nuke 'em' oder 'Last Supper' steil gehen. Trotzdem ist irgendwann das Ende der Pizzaschachtel erreicht und die letzte Note vom Publikumsfavorit 'Ugly As Fuck' verklungen. Trotzdem wollen die Leute mehr - also was tun? Wie auch schon schon vor drei Jahren spielt man ein Cover und es ist auch dieses Mal wieder 'Countess Bathory'. Allerdings wird viel innerhalb der Band diskutiert, ob man diesen Klassiker wirklich zocken soll - als man loslegt, wird auch klar warum. Richtig gut geübt hat man den Titel zuletzt  scheinbar nicht und spielt eine "eigenwillige Interpretation" wie es Sänger Rene nach dem Gig augenzwinkernd nennt. 

Das ist aber auch gar nicht so schlimm - ich habe trotzdem viel Spaß mit dem VENOM-Tribut und schreie den Refrain lauthals mit. Überhaupt durfte man einen super Gig erleben, der sowohl die Nackenmuskulatur stimuliert als auch für gute Laune gesorgt hat (der Jägermeister-Am-Stil sollte definitiv Schule machen in der Szene).
Zum Schluss gibt es dann noch ein deftiges Finale mit THE HELLEVATOR, der
The Hellevator (Foto: Adrian)
eigentlichen Hausband der Rangierbar. Die Mitglieder (vor allem Sänger Olli) engagieren sich selbst im Verein, der diese Location am Laufen hält und der Berufsbartträger sitzt auch heute unter anderem lange an der Eintrittskasse, um den Wegzoll zu kassieren. "Presse zahlt doppelt", ruft er mir scherzhaft zu, als ich reinkomme und ich entgegne grinsend, dass ich dann eben nichts schreiben werde (eine offensichtliche Lüge). Auch wenn man lange nicht im Moshpit (beziehungsweise in der Rangierbar) gewesen ist, fühlt man sich sofort unter Freunden, wenn man dann doch mal wieder herkommt. Die Stimmung ist familiär und ungezwungen. Da kann es dann auch schon mal passieren, dass der Sänger von THE HELLEVATOR eine kleine Büttenrede (immerhin ist es der 11. November) zum Besten gibt und man bei einer Verlosung die Chance hat, das Merch seiner Band zu gewinnen. Das klingt auch hier wieder nach Einschleimen bei den Zuschauern, aber das ist natürlich nicht der Fall. Das Quintett reißt eine fette Show runter und die Besucher vor der Bühne gehen mächtig ab, wie es heutzutage leider nicht mehr überall Gang und Gebe ist. 'The Bloodshed' ist natürlich wieder (mein) Höhepunkt des Abends und kann nur schwer getoppt werden. Kurzum, THE HELLEVATOR macht auch nach dem x-ten Besuch noch eine Menge Spaß und wenn ihren Groove-Death-Mix noch nicht gehört habt, gebt ihn euch unbedingt mal live. Neben der Altstadt ist diese Band nämlich wohl die größte Attraktion von Flörsheim.


Ein Besuch hier lohnt sich übrigens auch im Dezember, wenn in einem Monat das Burning Burrito Fest III im Moshpit stattfindet und leckere Metal-Spezialitäten wie MOTOR MAMMOTH und SPREADING MIASMA die Rangierbar beehren.

[Adrian]

Kommentare:

  1. aufn punkt getroffen mein lieber \m/ genial wars

    AntwortenLöschen
  2. Je, es war echt ein Brett, danke Adrian - Fenfire und Nuclear Winter gepaart mit glücklichen Gesichtern vor der Bühne ham unsere Stimmung, sowie unsere Latten gehoben :) Gerne- mehrMusik, mehr Bier, mehr 1 harte yolo machen!

    AntwortenLöschen