Sonntag, 14. April 2013

CD-Review: Grauzeit


Und noch eine Black-Metal-Band bei uns im Review! Diesmal begeben wir uns für die EP "Tyrannei der Tristesse" nach Bayern beziehungsweise Hamburg, so genau weiß ich das nämlich nicht. Laut metal-archives.com kommen GRAUZEIT aus "Hamburg/Bavaria" und da es keinen Ort in Bayern gibt bei google.maps der ebenfalls Hamburg heißt, ist davon auszugehen, dass die beiden Protagonisten L. und Argwohn nicht gerade Nachbarn sind. Auch das aus zwei Einzelbildern gestaltete Bandfoto lässt vermuten, dass sich die beiden Musiker nicht wirklich häufig über den Weg laufen.

Wie dem auch sei, sehr positiv liest sich die Tatsache, dass L. auch tatsächlich ein echter Schlagwerker ist und kein Drum-Computer wie bei vielen anderen Schwarzmetall-Projekten benötigt wird. Umso unverständlicher ist es da aber wieso man für Intro und Zwischenspiele auf synthetische Klänge zurückgreift, denn durch dieses künstliche Gedudel hat man das Gefühl, dass man es hier mit einem Deutschen Hip Hop Song zutun hat und dass jemand gleich los rappt. Zum Glück ist dies aber nicht der Fall und die "richtigen" Songs können alsbald ihre Macht entfalten. Dass bei diesem Avantgarde-Sound ALCEST Pate gestanden haben, merkt man zwar, aber allzu strikt orientiert sich diese Nord-Süd-Connection dann auch wieder nicht am Sound der Franzosen. Viele Blast Beats und aggressivere Parts wechseln sich mit Shoegaze- und Post-Rock-Passagen ab. Instrumental geht diese Mischung extrem gut runter! Das Song-Writing ist für eine verhältnismäßig junge Band extrem ausgereift und auch die Lyrics sind phasenweise echt packend, auch wenn sie für meinen Geschmack teilweise über das Ziel hinausschießen (denn so Zeilen wie zum Beispiel "Jede Nacht liege ich wach und denke, wie schön es wäre, einen Sinn in allem zu sehen" klingen irgendwie etwas zu sehr nach Weltschmerz und schwarzer Galle). 
Unangenehmer wirkt leider der Gesang, der einfach zu hölzern ist. Zugegeben, Potenzial ist da, aber wie bei so vielen jungen Schwarzheimern wird mehr keifend gesprochen als gesungen. Mit ein wenig mehr Erfahrung bessert sich das allerdings bei vielen Frontern.
Dass Intro, Zwischenspiel und Outro insgesamt über acht Minuten eingeräumt wird ist ziemlich übertrieben, immerhin dauert die EP gerade mal 22 Minuten und so besteht das ganze Machwerk eigentlich nur aus zwei (wenn auch jeweils langen) Songs, die wie alles auf diesem Tonträger nur durchnummeriert wurden. 
Auf die Vergabe einer Note verzichte ich deswegen und empfehle jedem Fan von ambientem und depressivem Schwarzmetall mal in GRAUZEITs "Tyrannei der Tristesse" reinzuhören, denn auch wenn man sich über den Gesang beschweren mag oder die Zwischenstücke zu lang findet, muss man doch zugeben, dass diese Scheibe verdammt stimmungsvoll ist. Abgesehen von dem schlechten Drum-Sounds bei den ungeraden Titeln sind diese Stücke verdammt atmosphärisch und die beiden langen Songs sind bis auf die genannten Kritikpunkte auch wirklich stark und machen eine Menge Spaß. 
Wenn die Jungs es schaffen die Kinderkrankheiten in der Zukunft zu überwinden, könnte hier eine hoffnungsvolle Band heranwachsen, die sich im Wust des BM-Undergrounds behaupten kann.
Erschienen ist "Tyrannei der Tristesse" übrigens vor kurzem bei Self Mutilation Services und kann dort abgegriffen werden.

[Adrian]

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