Montag, 8. April 2013

CD-Review: Winterblood

Post-Black-Metal ist so ziemlich der beliebteste Trend im schwarzen Metall seitdem die Begeisterung für  DSBM und Pagan Black Metal stark gesunken ist. Mit Bands wie ALCEST oder auch LANTLOS konnte diese Bewegung  einiges an Aufmerksamkeit gewinnen und inzwischen kommen immer mehr Schwarzheimer-Truppen auf die Idee ihren  Sound um post-rockige Stilmittel zu erweitern. Eine davon hört auf den Namen WINTERBLOOD und kommt  aus der Koblenzer Region. 

Viele Metaller vom Taunus bis zum Westerwald kennen die Kapelle zumindest vom Namen her, da die Gruppe  besonders in sozialen Netzwerken viel Promotionarbeit geleistet hat. Restlose Begeisterung konnten die  ersten Songs allerdings nicht einsammeln und viele Düsterheimer standen dem Schaffen der Winterbluter skeptisch  gegenüber. Auch ich selbst wurde von der Scheibe "Vanitas - Eine Winterodyssee", die 2010 als  Eigenproduktion erschien, eher kalt gelassen. Etwas neugierig war ich aber schon als mir die aktuell erschienene Platte "Herbstsehnsucht" vorgelegt wurde. Der Titel selbst löste sofort Assoziationen mit  "Springtime Depression" von FORGOTTEN TOMB oder "Herbstleyd" von NARGAROTH aus, allerdings sind die  Parallelen zu diesen Bands ansonsten nicht sonderlich stark.
Musikalisch geht man tatsächlich in eine sehr post-metallische Richtung und nährt sich dem  Schaffen von Allrounder Neige an. Sehr Ambient laufen besonders die ersten beiden Songs durch, aber jäh wechselt der Kurs durch den hohen Schwarzmetall-Anteil in 'Raserei Des Meeres', das allerdings auch mit ein  paar nicht so gemütlichen Clean-Vocals daher kommt. Überhaupt sind die cleanen Parts nicht die Sternstunden des Albums. Das abschließende Instrumental-Version von 'Denière' zum Beispiel eröffnet den Reigen mit einer Spoken-Words-Passage, die von einem Erzähler vorgetragen wird, dem man nicht wirklich gern zu hört. Zu unspektakulär und  unpathetisch.
In der Fassung mit Lyrics von 'Denière' fehlt dieser Vortrag glücklicherweise, auch wenn dort der Clean-Gesang hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Dafür erfüllt das teuflische Gekeife seinen Zweck und macht ordentlich Dampf. Noch druckvoller ist der Song 'My Eternal Grave' und zeigt dass die Stärken der Band auch im klassischen Schwarzmetall liegen, hier wirkt zwar der Tenor-Gesang etwas deplatziert, aber nervt dafür auch nicht. 

Instrumental kann man WINTERBLOOD nichts vorwerfen. In allen Bereichen überzeugt die Truppe aus Rheinland- Pfalz und leistet sowohl gute Arbeit an der Gitarre als auch an den Drums. Vor allem im Titeltrack kann man sehen was für schöne Melodien möglich sind. Sogar dann wenn man der E-Klampfe den Strom abdreht funktioniert es eine intensive Stimmung zu erzeugen. Allerdings klingen auch hier die cleanen Vocals (die auch noch einen etwas kitschigen Text singen) etwas dünn und farblos. Ich kann es nur wiederholen:  Kreischen steht dem Ganzen besser zu Gesicht und so gehört beispielsweise auch ein Lied wie 'Saturnnebel' zu den insgesamt stärkeren Stücken.
Alles in allem merkt man "Herbstsehnsucht" an, dass die Verstärkung um drei weitere Mitglieder seit 2012  eine gute Entscheidung war und die Männer vom Deutschen Eck einen entscheidenden Schritt nach vorne gemacht haben. Auch wenn der Einsatz klarer Vocals an vielen Stellen etwas unglücklich wirkt und man mit der  Tenor-Stimme etwas über das Ziel hinausschießt, macht die gute Gitarrenarbeit umso mehr Spaß und steigert  das Hörvergnügen. Ich empfehle allen Schwarzheimern mal reinzuhören, denn auch wer frühere Werke von  WINTERBLOOD nicht mochte, wird sich wundern, was sich alles bei den Koblenzern getan hat. Einige Songs des Albums gibt es des Weiteren kostenlos bei Last.FM (scheinbar offiziell) und die Platte selbst kann man über  Le Crépuscule du Soir Productions beziehen.  

7 von 10 Punkten

[Adrian]

Kommentare:

  1. Wtf 7/10 ??? Sicher dass du nicht 3 meintest?

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  2. Wie schaffen es Winterblood eigentlich immer zu spät auf den Trendzug aufzuspringen?

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    1. Wäre das hier Facebook, würde ich deinen Kommentar jetzt 'liken'

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  3. Wie kann man nur bei einem Label unter Vertrag stehen, das einen solchen Zungenbrecher als Namen trägt? Das Abum hat aber seine positiven Momente.

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  4. Von mir aus können die in Zukunft den (zumindest musikalisch) genialsten BM rausbringen, den man produzieren kann. Solange dieser Aufmerksamkeitsgeile Wichtigtuer von Sänger (insofern das überhaupt noch der dicke von damals ist) dabei ist, kann es mir gestohlen bleiben. Gibt viel zu viel Post-BM als dass ich noch so eine Trendkapelle aus dem Untergrund brauche.

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  5. "Viel Promotionsarbeit geleistet" - nette Umschreibung für "unter verschiedenen falschen Namen immer und immer wieder in Foren Leuten ihre nervtötende 08/15-Kacke unter die Nase gerieben" oder "mimimi, meine Musik ist gut und dass du sie schlecht findest bedeutet, dass du keine Ahnung hast"?

    Die Musik hör ich mir gar nicht erst an, wer so pubertär herumkläfft und nach Aufmerksamkeit bettelt, der kann mich mal kreuzweise.

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