Montag, 18. Januar 2016

Live-Review: Morbid Panzer, Wound und Deathronation in Wiesbaden


Bisher hatte ich es nicht geschafft den neuen Schlachthof selbst in Augenschein zu nehmen, einer der wichtigsten Konzert-Locations in der hessischen Landeshauptstadt, die neben dem großen Hauptsaal auch Platz für kleine Events bietet. Die ehemalige Räucherkammer (alias die kleine Halle) gibt es nicht mehr und wurde durch das neue Kesselhaus ersetzt. Für meine persönliche Prämiere im neuen Venue habe ich mir einen besonders starken Abend ausgesucht. Die Lokalmatadore von WOUND laden zum gemütlichen Todesblei-Klassentreffen ein und haben mit DEATHRONATION und MORBID PANZER zwei besondere Truppen der aktuellen Szene am Start.
MORBID PANZER
Etwas später als angesetzt begeben sich die Berliner von MORBID PANZER auf die Bühne und überraschen diejenigen, die den Fünfer bisher nur von der Demo her kannten. Wirken die Hauptstädtler dort noch etwas chaotisch und unkoordiniert, wirkt ihr rotziger Mix aus Black Thrash und Death Metal live einfach herrlich unorthodox und wird durch die wahnsinnige Performance extrem treibend - vor allem das Acting von Sänger Curse Commander, der wie in Trance auf der Stage herumwirbelt, ist ein Blickfang. Auch schön ist das ranzige Outfit der Panzergrenadiere, was nach einer Mischung aus HELLHAMMER und Punk aussieht und von einer klassischen Corpsepaint-Variante gekrönt wird. So sieht der Schlagzeuger Drumentor aus, als wäre er nebenberuflich bei ATTIC beschäftigt. Das ergibt ein rundum stimmiges Gesamtbild, das die Zuschauer mit klangvollen Tracks wie 'Black Rider Of Madness' oder 'Strikes Of Doom' unterhält. Einziger Nachteil: die Verstärker sind viel zu laut. So bleibt neben dem positiven Eindruck, vor allem ein komisch pipsender Ton im Ohr zurück. 
Im Anschluss wird es konventioneller - zumindest für das Wiesbadener Publikum. Denn die Herren von WOUND sind dort in den letzten Jahren zu einer festen Größe gereift. Ihr Old-School Death ist nicht der
WOUND
typische Ami- oder Schwedentod, wie ihn gerade so viele andere Kapellen zocken. Die Hessen hört man immer heraus. Ihr Stil beinhaltet eine Menge Crustcore sowie rockige Anteile und in Verbindung mit den trockenen Riffs und Schettlers fauchendem Organ ist man mit den Jungs immer auf der sicheren Seite, wenn es um ein zünftiges Konzert geht. Persönlich habe ich WOUND schon mehrmals gesehen, aber langweilig wird es nie. Auch dieses Mal gibt es wieder einige neue Songs im Set wie 'Thy Wrath And Fire' oder 'The Gateway Of Madness', die zusammen mit älteren Songs wie 'Forever Denial' oder 'Echos' eine herrliche Mischung ergeben. Störend sind lediglich zwei Dinge. Zum einen sind die Vocals in den ersten Reihen kaum zu hören (weswegen ich mich ab der Mitte des Raums begebe) und zum anderen gibt es keine Zugabe (obwohl diese auf der Setlist zu finden ist). 

Das ist aber mehr als verkraftbar, denn die Leistung des Fünfers ist mal wieder großartig und der Fülle der Halle nach zu urteilen ist auch für die meisten Besucher WOUND das heutige Highlight. Außerdem ist die Tatsache, dass mal wieder der Demo-Titeltrack 'Confess To Filth' auf dem Programm gestanden hat, die Reise nach Wiesbaden mehr als wert gewesen.
DEATHRONATION
Wesentlich weniger ist dann (leider) bei DEATHRONATION los. Vor der Bühne drängen sich zwar die interessierten Zuschauer, aber Richtung Theke werden die Reihen bereits lichter. Daran stören sich die Nürnberger Blackened Deather jeodch keiner Sekunde. Gnadenlos rattern die Franken ihren (von alten MORBID ANGEL) beeinflussten Todesstahl herunter und klingen dabei wie die Hölle persönlich. Dem Sound geschuldet, klingt dabei alles etwas gleichförmig und man kann nur schwer die Details von Tracks wie 'Deathchant Assyria' oder 'Church Of Salvation' erkennen. Dennoch ist ihr tightes Spiel eindrucksvoll und lockt auch die Gäste von MORBID PANZER vor die Bühne, die kräftig mitnicken, während DEATHRONATION einen Gastsänger auf die Bühne holt, der das Finale dieses Gigs einläutet. Insgesamt erlebt das Publikum einen guten Auftritt, aber der Funke springt im Schlachthof bei vielen Besuchern einfach nicht über. Klappt eben nicht immer.
Alles in allem war es mal wieder eine gute Idee in die Landeshauptstadt zu fahren und die regionale Death-Metal-Szene in ihrem natürlichen Lebensraum anzutreffen. Auch wenn das Todesblei-Revival in letzter Zeit viele zu generische Releases hervorgebracht hat, sind die Live-Konzerte der Begründer der laufenden Bewegung genauso aufregend wie eh und je. So kann es gerne weitergehen im neuen Schlachthof!
 
[Adrian]

Kommentare:

  1. Bei dem von dem Gastsänger (Skjeld von Nyktalgia) performten Song während Deathronation handelte es sich um eine Coverversion von Sodoms "Magic Dragon". Als kleine Info am Rande. ;)

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