Samstag, 11. März 2017

Reingehört: Candescence "Soulscare"

Obwohl Köln die viertgrößte Stadt Deutschlands ist, bekomme ich eher selten Post aus der Domstadt. Kein Wunder, immerhin hat die Metropole am Rhein keinen großen Act mit der man sie verbinden kann - wenn man von Untergrundperlen wie CHAPEL OF DISEASE oder PRIPJAT absieht. Achtung! schlechte Überleitung - Vielleicht gelingt es in Zukunft den Recken von CANDESCENCE diese Lücke auszufüllen. Die aktuelle EP "Soulscare" ist dafür auf jeden Fall ein guter Anfang. 
Seit 2003 ist der Vierer nun schon unterwegs und legt uns aktuell nach zwei
Demos die erste "richtige" EP vor, die man allerdings auch wieder in Eigenregie auf den Markt gebracht hat. Enthalten sind drei Songs, die es auf knapp 13 Minuten Schweden-Death-Party  bringen. Die Rheinländer bezeichnen ihren Stil auch selbst als "Swedish Styled Melodic Death Metal" - was es eigentlich recht treffend auf den Punkt bringt. In ihrem Sound steckt jede Menge Elchtod. Allerdings sind in diesem Zusammenhang nicht nur die üblichen Verdächtigen wie AT THE GATES oder die guten alten IN FLAMES und DARK TRANQUILITY zu nennen. Stimmlich zum Beispiel ist Fronter Matthis näher an EDGE OF SANITY dran als an den stereo-typen Screams aus Göteborg. Auch die Riffs sind kein einfacher Abklatsch von "Slaughter Of The Soul" - sondern mischen den doppelläufigen Gitarrenschlachten auch manchmal ganz frech andere Zutaten bei (wie die BOLT-THROWER-Eröffnung in 'Revocate Creation'). 

Im Grunde macht das Quartett alles richtig und ich kann mir vorstellen, dass vor allem live der gewaltvolle Mix seine wahre Kraft entfesselt. Allerdings müssen CANDESCENCE auch darauf achten, dass die jeweiligen Songs genug eigenen Charakter besitzen, um sich kontrastreich von einander abzuheben. Bei den ersten zwei bis drei Durchläufen von "Soulscare" fiel es mir noch schwer die einzelnen Titel von einander zu trennen. Im Grunde klingt nämlich alles wie ein langer Track - was nicht Schlechtes bei einer kurzen EP ist - auf Albumdistanz wiederum könnte, das jedoch gegen Ende schwierig werden. 
Reinhören in die Scheibe der Kölner lohnt sich aber in jedem Fall. Wem die meisten neumodischen Melo-Death-Releases zu zahm geworden sind, findet hier eine schöne Mischung aus traditioneller Ungemütlichkeit und eingängigen Takten. 

[Adrian] 

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