Donnerstag, 3. Mai 2018

Song Of The Day: Thomas Bel 'The Night I Reel'

Heute verwischen wir die Grenzen zwischen einer Song-, EP- und Albenbesprechung. THOMAS BEL ist ein französischer Künstler aus Touluse, der unheimlich gerne experimentiert. 'The Night I Reel' ist ein Song ausgeweitet auf die Länge eines Albums und bildet die zweite Phase einer Trilogie, die er mit seinem Release "To Dye Every Night" 2013 begonnen hatte. Allerdings ist Vorsicht geboten: diese Scheibe ist alles andere als eine normale Veröffentlichung. 
Allein das ist Intro wirkt wie eine bewusst eingebaute Hürde, um ungeduldige
Hörer und einfache Gemüter fernzuhalten. Über 200 Sekunden hört man nichts als das Aufglimmen und das Verschwinden von Rückkopplungen. Erst danach erscheinen die ersten minimalistischen akustischen, unverzerrten Riffs, die um verschiedene Schichten von Klangteppichen dezent ergänzt werden. Die stete Wiederholung ist dabei Stilmittel und die fließenden Wechsel der Melodien erfordern ein aufmerksames Ohr. Ein Vergleich, der mir hierbei sofort in den Sinn kommt, ist ULVER und ihre Complilation "Teachings In Silence" - wer 'Not Saved' kennt, weiß was ich meine. Die fast 40 Minuten Spielzeit vergehen dabei sogar recht problemlos, ohne dass man sich langweilt oder versucht ist die Stopptaste zu drücken - im Gegenteil: man versinkt geradezu in Trance. 
'The Night I Reel' ist ein meditativer Soundtrack, der dem Hörer dabei helfen kann sich selbst zu erden und sich eine gute Zweidrittelstunde der Schnelllebigkeit der modernen Gesellschaft zu entziehen - das mag pathetisch klingen, aber es entspricht der Wahrheit.  Die Mischung aus Dark Ambient, Neofolk und Drone-Akzenten funktioniert auf der aktuellen Scheibe übrigens deutlich besser als auf der letzten EP "Denying The Healers", die nicht so recht zu wissen schien, wo die Reisen hingehen sollte. 
"The Night I Reel" ist in sich stimmig und dadurch umso mehr ein ausgezeichnetes Werk der atmosphärischen Avantgarde, das sehr gut an den ebenso reduzierten ersten Teil der Trilogie anschließt. Kurzum, auch wenn THOMAS BEL keine einfache Musik macht, wird auch dieses Werk definitiv seine Liebhaber finden.
Seit 19. März gibt es die handgemachte Eigenproduktion über den eigenen Selbstvertrieb.

[Adrian] 

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