Freitag, 8. Februar 2019

CD-Review: Destroyers of All "The Vile Manifesto"

DESTROYERS OF ALL: Die "Zerstörer von Allem". Das hört sich vom Bandnamen her zunächst einmal wie eine sehr generische Metal-Kapelle an. Die Selbstbeschreibung der jungen Portugiesen lässt jedoch schnell anderes vermuten. Prog-Death/Thrash-Metal. Wie viel Tod & Schmetterei wirklich in "The Vile Manifesto" stecken und ob die Band es schafft, mit ihren progressiven  Einflüssen den (so oft im Prog eintretenden) "Gedudel-Fall" geschickt zu umgehen, werden wir in diesem Review zu ihrem neusten Machwerk nun mehr beleuchten.

Die 2011 gegründeten Zerstörer haben sowohl eine 2013 veröffentlichte EP ("Into the Fire") sowie ein weiteres Album ("Bleak Fragments"), welches 2016 erschienen ist, auf dem Buckel. Also halten sie jetzt dem drei Jahres Rhythmus die Treue und bringen uns "The Vile Manifesto"! Mit dem Opener 'Tohu-Wa-Bohu' wird direkt losgeballert! Doublebass, schnelle Riffs und geshoute Vocals mit leicht portugiesischem Akzent. Schon direkt am Anfang der Scheibe wird klar, was uns hier nicht erwartet: 80er Sound mit standardisierten Song-Schablonen! Die Riffs und Passagen bewegen sich durch die Trinität der extrem-metallischen Musik komplett durch: Überwiegend Death- und Thrash Metal, hin und wieder auch schwarzmetallisch angehaucht. Gesang und Refrain erinnern stark an modernere Zeitgenossen wie HAVOK oder die geografischen Nachbarn aus Spanien, CRISIX.
Der meiner Meinung nach ausgezeichnet gewählte Titel 'Tohu-Wa-Bohu' zieht sich buchstäblich durch das ganze Album - aber ganz im positiven Sinne. Sind es in der Single-Auskopplung 'False Idols' langsame, schwere Death-Metal Töne, die in den sonst schnellen Stil der Jungs mit integriert werden, so sind es bei 'Sheol' beispielsweise Core-Einflüsse a la THY ART IS MURDER oder im wieder recht thrashigen 'Breaking the Chains' groovigere Passagen, die sogar an den jungen Anselmo und seine Truppe erinnern. Schlimm? Nein! Auf keinen Fall! Die Abwechslung wirkt erfrischend und führt bei jemandem, der vielleicht die zweiten LEGION OF THE DAMNED oder VADER erwartet hat, bestimmt zu dem einen oder anderen Aha-Erlebnis. Pures Death-Geballer bekommt man dann aber doch, wenn man denn will. Im namentlich passenden 'The Dead Valley', zum Beispiel. So hangelt sich die junge Band gekonnt durch die verschiedenen Genres des Metal.
Moment mal… haben wir nicht was vergessen? Richtig! Der progressive Teil. Gut, das Durchmischen von Genres in der sonst doch oft starren Metal-Szene ist für so manchen schon Prog genug. Jedoch würde ich dennoch gerne kurz etwas zu den obskureren Song-Bausteinen sagen. Da hat die Scheibe nämlich ebenfalls eine Palette an musikalischer Vielfalt zu bieten, was den bunten Mix an Musik mit dem grauen CD-Cover perfekt ergänzt! Wie die einzelnen Exkurse in die verschiedenen Genres nämlich miteinander verbunden sind, macht die Besonderheit dieses Albums für mich aus. Sind es die verschiedenen Tempowechsel zwischen der hämmernden Doublebass und den langsam-schweren Riffs oder einzelne Besonderheiten wie in dem Death Metal durchzogenen 'Elephant's Foot', in dem die Kapelle thematisch passende orientalische Elemente in das Solo mit eingebaut hat! Das "Geproge" zeigt für mich aber auch leider seine Schattenseiten wie schon im vorhin genannten corig-groovigen 'Sheol'. Dort trägt das Experimentieren dazu bei, dass der Song zerhackt wirkt und sich in seinen etlichen Tempo- und Riffwechseln recht stark verschachtelt, womit wir auch nun zum Schlusswort kommen.
Alles in Allem empfehle ich "The Vile Manifesto" jedem, der mit dem zeitgenössischen Sound des Thrash- und Death Metal  klar kommt. Der progressive Teil wirkt bis auf wenige Ausnahmen wie ein kühles Lagerbier: Frisch und herb, mit einer Note die man vielleicht noch nicht besonders gut kennt, aber gut schmeckt.  Obwohl ich mich mit so etwas meist schwer tue, versuche ich mich trotzdem an einer Benotung. Von mir gibt es Achteinhalb von zehn Lagerbieren! Na dann mal: PING!
Seit 02.02.2019 steht das Teil bei Mosher Records für euch bereit.

8,5 von 10 Punkte 

[Andi] 

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