Donnerstag, 28. November 2019

CD-Review: Mara "Rök"

Ich glaube die Sorte von Alben, die ich am häufigsten rezensiert habe, sind diese Ein-Mann-Black-Metal-Projekte. Viel Atmosphäre, (oftmals) viel Drum-Computer und selten echte Innovationen sind dabei stets die Hauptzutaten gewesen. Ob sich der Schwede Vindsval mit seinem Soloprojekt MARA und dessen drittem Longplayer 'Rök' in diese Riege einreiht oder tatsächlich herausstechen kann, ist die Frage, die es heute zu beantworten gilt.
Seit 2010 gibt es dieses Projekt aus Gävleborgs län bereits und bisher habe ich
wenig davon gehört. Laut Metal-Archives drehen sich die Texte um nordisches Heidentum und Misanthropie (so weit, so normal) - nachprüfen kann ich das nicht, da man weder die Vocals verstehen kann noch mir die physische CD mit Booklet vorliegt. Dafür sind die Keifer schön kraftvoll und kommen ordentlich aus dem Bauch heraus. Das ist wichtig, denn zu viel Kopfstimme lässt das Kreischen nicht nur dünn und krächzend erscheinen, sondern macht auch die Stimmbänder auf Dauer kaputt. Das Drumming präsentiert sich beim ersten Durchhören erst einmal sehr erdig und organisch -  es ist also entweder sehr präzise gespielt oder der Drumcomputer klingt überraschend natürlich. Wie bei den meisten Alben dieser Art liegt der Fokus auf den Riffs und der erzeugten Stimmung. Die Riffs gehen in Ordnung und werfen besonders zu Anfang mit haufenweise knüppelharter Schwarzmetall-Nostalgie um sich (klingt nach Skandinavien in den 90ern) und versucht in der zweiten Albumshälfte etwas ausgefallener zu sein (siehe 'Eitr') - ausgefallen bedeutet aber in diesem Fall auch nur, dass man sich beim Post-DSBM-Gedudel von vor zehn Jahren bedient hat. Die klare Stärke von Vindsval liegt aber in den klassisch, treibenden Passagen. Das ist bei Gott keine Neuerfindung des Rades, aber das was hier geboten wird ist handwerklich sehr gut gemacht und bietet knapp 36 Minuten gute Unterhaltung.
Insgesamt ist "Rök" von MARA eine ordentliche Scheibe geworden. Man kann sich das Material angenehm im Hintergrund anhören, ohne dass der Hörfluss von unnötigen Brüchen oder Keyboard-Geklimper gestört wird. Wirklich herausragende Ideen gibt es zwar auch nicht viele, aber unterm Strich gehen die einzelnen Aspekte der Platte in Ordnung. Die-Hard-Fans des nordischen Black-Metal-Undergrounds können hier bedenkenlos zuschlagen, alle anderen Hörer sollten vielleicht vorab ein Ohr riskieren. Kurzum, wir haben es hier sicherlich nicht mit einem "Game Changer" zu tun, aber ein langweiliger Totalausfall wie viele andere Ein-Mann-Projekte ist es eben auch nicht.
Ab 29.11.2019 gibt es den Dreher bei Immortal Frost Productions zu ergattern.

7,5 von 10 Punkten

[Adrian] 

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